Der BLOG von CLAUS OBERMEIER

Ethische Grundlagen des Klimaschutzes

Fast alle heute unter dem Eindruck des Pariser Klimaschutzabkommens teils kontrovers diskutieren Fragen zu den ethischen Grundlagen des Mensch-Natur-Verhältnisses sowie der Verteilungsgerechtigkeit bei der Nutzung endlicher Rohstoffvorräte bzw. begrenzter Verschmutzungsrechte sind nicht neu. Vielmehr werden sie seit Beginn der Umwelt- und Naturschutzbewegung intensiv beleuchtet.

Den Pionier der nordamerikanischen Naturschutzbewegung Aldo Leopold bewegte neben dem unmittelbaren Schutz einzelner Gebiete stets die Fragen des Mensch-Natur-Verhältnisses und deren ethische bzw. religiöse Einbettung. So schrieb er 1949:
„Unsere Aufgabe ist es, den immer größer werdenden Baukasten wissenschaftlicher Instrumente und die immer größer werdenden Rücksichtslosigkeit seiner Anwendung mit der schrumpfenden biologischen Vielfalt zu harmonisieren. In der Natur der Dinge liegt es, dass wir Mediatoren und Moderatoren sind. Solange wir nicht die Ziele der Wissenschaft umschreiben können, sind wir zum Scheitern verurteilt.“
Mit dem Aufsatz Land-Ethik wurde Leopold zum Gründer einer modernen Umweltethik. Er entwickelte die Ethik als begründet in den Beziehungen zwischen Einzelpersonen und später erweitert auf die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft: „Eine Handlung ist richtig, wenn sie dazu beiträgt, die Integrität, Stabilität und Schönheit der Natur zu erhalten. Sie ist falsch, wenn sie das Gegenteil bewirkt “.

Die Autorin des Bestsellers „Der Stumme Frühling“ und „Mutter der politischen Umweltbewegung“ in den USA Rachel Carson sah 1962 das Verhältnis der Mehrheit der US-Bürger zu zur Natur so: „Für lange Zeit hat der Mensch ziemlich arrogant über die Eroberung der Natur gesprochen. Jetzt hat er die Macht, seine Prahlerei zu verwirklichen. Es ist unser Pech – es könnte durchaus zu unserer endgültigen Tragödie werden – dass dieses Vermögen nicht durch Weisheit gemildert, sondern durch Unverantwortlichkeit gekennzeichnet ist; (…) In der westlichen Welt ist unser Denken viele Jahrhunderte lang vom jüdisch-christlichen Konzept der Beziehung des Menschen zur Natur beherrscht worden, bei dem der Mensch als Herr über alle anderen Bewohner der Erde gesehen wird. Daraus hat sich folgerichtig der Gedanke ergeben, dass alles auf der Erde ausdrücklich für den Menschen geschaffen worden ist .“
Auch schließt die Debatte unmittelbar an übergreifende Fragen zum Potential des Menschen an. Albert Schweitzer zog dazu folgendes Resumee: „Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen“ .

Aus diesen hier nur als plakative Extremdarstellung aufgeführten gegensätzlichen Weltbildern ergeben sich aber durchaus enorme Konsequenzen für die heutige Klimaschutzpolitik. Denn wie bei den von ihnen damals bereits adressierten Themenfeldern des Natur- und Umweltschutzes treten auch heute schnelle Erfolge nur in den Bereichen auf, die ohne eine umfassende Änderung des Lebensstiles und der menschlichen Wertesysteme mit technischen Insellösungen möglich sind. Immer dann, wenn tiefgreifende Änderungen des Lebensstiles, des Konsumverhaltens oder der Wertesysteme einer Gesellschaft nötig sind, stagnieren die Fortschritte.
Dies ist auch in einem demokratischen Rechtsstaat grundsätzlich nicht anders zu erwarten. So sind zumindest in Deutschland konsumbeschränkende oder  in das Eigentum eingreifende Maßnahmen ohne entsprechende gesetzliche Grundlage zum Glück undenkbar. Ob oder wo zusätzlich zu technologischen Umstellungen auch ordnungsrechtlich im Sinne des Urteils des Bundesverfassungsgerichtes zur Generationengerechtigkeit im Rahmen des demokratischen Rechtsstaates eingriffen werden kann bzw. muss, wird in den nächsten Jahren sicher intensiv diskutiert werden.

Claus Obermeier (Auszug älterer Buchbeitrag, aktualisiert)

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